3. Tag: Weinwanderung

Von Dr. Wolfgang Flatterich

 

Gestatten, Flatterich. Ich bin Geschichte- und Gemeinschaftskunde-Lehrer im verdienten Unruhestand und darf heute zum ersten Mal über einen Tag unserer Italienreise berichten. Ich werde mich dabei bemühen, nicht nur Bilder zu zeigen – wie es andere schon getan haben – sondern auch etwas zum Hintergrund der jeweiligen Motive zu erläutern. Schließlich soll es sich für Sie, werter Leser, ja auch lohnen unseren gemeinsamen Blog zu lesen. Zunächst einmal möchte ich mich bei Knuffinger Urbräu für die großartige Gelegenheit bedanken, Italien einmal in all seinen Facetten kennenlernen zu dürfen. Trotz all meiner Versuche bin ich in meiner ganzen Karriere nicht mit einer einzigen Klasse nach Italien gefahren, sondern habe mich – allen Erfahrungen des jeweiligen Vorjahres zum Trotz – immer wieder zu Lloret del Mar breitschlagen lassen.

Doch zurück zu unserer Gruppe: Sie haben sicherlich alle schon den Beitrag von Knut über den gestrigen Tag gelesen. Falls nicht, finden Sie diesen hinter diesem Hyperlink. Den Beginn unserer kleinen Serie finden Sie hier.

Heute stand dagegen ein ganz besonderes Highlight auf dem Programm: Eine Weinwanderung. Das ist ganz großartig, man wandert durch viele Weinberge und verkostet hier und dort ein Gläschen. Wenn man allerdings als Liebhaber des heimischen Gerstensafts diesen starken italienischen Wein nicht so gewohnt ist – nun ja, Sie kennen das ja sicherlich selbst auch. Doch von Anfang an:

Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen (er es sich wohl auch nicht). Nach dem Aufbruch von Castello Aragonese, das übrigens eine Festung auf einer kleinen Insel ist, wie Knut vielleicht noch hätte erwähnen können, und dessen Geschichte bis ins vierte Jahrhundert vor Christus zurück reicht, nicht wahr, sah der letzte Blick zurück nämlich so aus.

Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen (er es sich offensichtlich auch nicht). Nach dem Aufbruch von Castello Aragonese, das übrigens eine Festung auf einer kleinen Insel ist, wie Knut vielleicht noch hätte erwähnen können, und dessen Geschichte bis ins vierte Jahrhundert vor Christus zurück reicht, nicht wahr, sah der letzte Blick zurück nämlich so aus.

 

Nachdem wir die Brücke über die Bucht genommen hatten, kamen wir an einer klassischen Keramikmanufaktur vorbei. Hier kann man sich Töpfe, Tassen und Teller nach individuellem Geschmack anfertigen lassen. Ein italienischer Kunde, dessen Auto zweifellos den Höhepunkt des Schaffens der legendären italienischen Automobildesigner darstellt (bitte erlauben Sie mir die Ironie), ließ sich ziemlich große Blumenvasen in ganz besonders stilvoller Gestaltung herstellen (Sie haben es bemerkt, noch einmal eine Prise Ironie).

Nachdem wir die Fähre über die Bucht genommen hatten, kamen wir an einer klassischen Keramikmanufaktur vorbei. Hier kann man sich Töpfe, Tassen und Teller nach individuellem Geschmack anfertigen lassen. Ein italienischer Kunde, dessen Auto zweifellos den Höhepunkt des Schaffens der legendären italienischen Automobildesigner darstellt (bitte erlauben Sie mir die Ironie), ließ sich ziemlich große Blumenvasen in ganz besonders stilvoller Gestaltung herstellen (Sie haben es bemerkt: noch eine Prise Ironie).

 

Leider hatten wir noch einiges an Fußmarsch vor uns, sonst hätte ich meiner Frau einige dieser Unikate als Souvenir mitgenommen.

Leider hatten wir noch einiges an Fußmarsch vor uns, sonst hätte ich meiner Frau einige dieser Unikate als Souvenir mitgenommen.

 

In einer Felsgrotte befinden sich die eigentlichen Brennöfen, in welchen diese recht einmaligen Behältnisse entstehen. Sie können sich vorstellen, wie warm es dort war, denn die massiven Öfen müssen auf konstant 500 bis 900 Grad Celsius gehalten werden!

In einer Felsgrotte befinden sich die eigentlichen Brennöfen, in welchen diese recht einmaligen Behältnisse entstehen. Früher waren diese wohl für den Wein aus dieser Gegend, doch kaufen seit einiger Zeit nicht mehr viele ihren Wein in Amphoren, nicht wahr? Aber Sie können sich vorstellen, wie warm es dort war, denn die massiven Öfen müssen auf konstant 500 bis 900 Grad Celsius gehalten werden!

 

Danach ging es zunächst einmal nur noch bergauf. Faszinierend, wie harmonisch die Treppen und Befestigungen in die felsige Landschaft eingebettet wurden. Heute hätte man zweifellos nur noch hässliche Metalltreppen und –wege verbaut. Zugegeben, ein stabiles Geländer wäre manchmal doch ein wenig wünschenswert gewesen.

Danach ging es zunächst einmal nur noch bergauf. Faszinierend, wie harmonisch die Treppen und Befestigungen in die felsige Landschaft eingebettet wurden. Heute hätte man zweifellos nur noch hässliche Metalltreppen und –wege verbaut. Zugegeben, ein stabiles Geländer wäre manchmal doch ein wenig wünschenswert gewesen.

 

In dieser Gegend der Amalfiküste wird überall Wein angebaut. Und das ist keine Übertreibung: Wirklich jeder Quadratmeter, der Vegetation erlaubt, dient hier dem Weinbau. Hier werden insbesondere die Rebsorten Piedi Rosso und Aglianico angebaut, von deren erdigem Aroma uns der Winzer auch großzügig kosten ließ. Zumindest so lange, bis er festgestellt hatte, dass wir heute noch ordentlich zu wandern hatten und keine Transportbehältnisse mit uns führten, welche für Weinflaschen geeignet gewesen wären. Dies sollte sich im Lauf des Tages heute noch einige Mal so wiederholen.

In dieser Gegend der Amalfiküste wird überall Wein angebaut. Und das ist keine Übertreibung: Wirklich jeder Quadratmeter, der Vegetation erlaubt, dient hier dem Weinbau. Hier werden insbesondere die Rebsorten Piedi Rosso und Aglianico angebaut, von deren erdigem Aroma uns der Winzer auch großzügig kosten ließ. Zumindest so lange, bis er festgestellt hatte, dass wir heute noch ordentlich zu wandern hatten und keine Transportbehältnisse mit uns führten, welche für Weinflaschen geeignet gewesen wären. Dies sollte sich im Lauf des Tages heute noch einige Mal so wiederholen.

 

Weinbau findet hier noch auf recht traditionelle Weise statt, da die schmalen Simse und künstlich angelegten Treppen den Einsatz von Maschinen meist nicht zulassen. Dass das Gras hier aber wirklich noch mit der Sense gemäht wird, hätte ich allerdings nicht erwartet.

Weinbau findet hier noch auf recht traditionelle Weise statt, da die schmalen Simse und künstlich angelegten Terrassen den Einsatz von Maschinen meist nicht zulassen. Dass das Gras hier aber noch mit der Sense gemäht wird, hätte selbst ich nicht erwartet.

 

Pedro, ein ganz klassischer Fall: Früher Controller in der Bank der Lehman Brüder, hat er 2008 ganz plötzlich die Sehnsucht nach erdverbundener Arbeit in sich verspürt. Heute baut er auf einem kleinen Stück des Berghangs sündhaft teuren Wein an, natürlich in Bio-Qualität und mit Reminiszenzen von reifen Pflaumen. Meines Erachtens nach jedoch eher sauer.

Pedro, ein ganz klassischer Fall: Früher Controller in der Bank der Lehman Brüder, hat er 2008 ganz plötzlich die Sehnsucht nach erdverbundener Arbeit in sich verspürt. Heute baut er auf einem kleinen Stück des Berghangs sündhaft teuren Wein an, natürlich in Bio-Qualität und mit Reminiszenzen von reifen Pflaumen. Meines Erachtens jedoch eher sauer.

 

Nichtsdestotrotz (einfach herrlich, dass dieses Wort nach der Deutschen Rechtschreibung von 2006 noch immer zusammengeschrieben wird) war unsere Mittagspause auf der Terrasse seiner Hütte inmitten des Weinbergs einfach nur herrlich.

Nichtsdestotrotz (großartig, dass dieses Wort nach der Deutschen Rechtschreibung von 2006 noch immer zusammengeschrieben wird) war unsere Mittagspause auf der Terrasse seiner Hütte inmitten des Weinbergs einfach nur herrlich.

 

Dahinter hütete gerade ein Schäfer seine kleine Herde. Der Schafsdung führt im Wein angeblich zu einer zimtigen Note. In frischen Zustand ist diese allerdings wesentlich schärfer, wie wir je nach Windrichtung immer wieder feststellen durften.

Sie nannten ihn den Schäfer. Der Schafsdung führt im Wein angeblich zu einer zimtigen Note. In frischen Zustand ist diese allerdings wesentlich schärfer, wie wir je nach Windrichtung immer wieder feststellen durften.

 

Apropos strenge Dürfte: Ein anderer Wanderer hat es sich indessen unter einem wirklichen Pflaumenbaum gemütlich gemacht. Dass er erschöpft war, war bei diesem Beinkleid kein Wunder. Wir hatten heute über 28 Grad!

Apropos strenge Dürfte: Ein anderer Wanderer hatte es sich indessen unter einem wirklichen Pflaumenbaum gemütlich gemacht. Dass er erschöpft war, war bei diesem Beinkleid kein Wunder. Wir hatten heute über 28 Grad!

 

Einmal habe ich mich auch portraitieren lassen, während ich meinen Blick in der Ferne schweifen ließ. Er kam recht schnell wieder und dann ging es auch schon weiter (Erlauben Sie mir den kleinen Scherz – es ist wahrlich nicht so leicht, eigene Portraits zu kommentieren).

Einmal habe ich mich auch portraitieren lassen, während ich meinen Blick in der Ferne schweifen ließ. Er kam recht schnell wieder und dann ging es auch schon weiter (erlauben Sie mir den kleinen Scherz – es ist wahrlich nicht so leicht, eigene Portraits zu kommentieren).

 

Sehr überraschend waren auch diese Ruinen. Man sollte doch denken, dass die Immobilienpreise in dieser Lage über der Bucht und inmitten von Weinbergen enorm hoch sein sollten und die Häuser entsprechend begehrt!

Sehr überraschend waren auch diese Ruinen. Man sollte doch denken, dass die Immobilienpreise in dieser Lage über der Bucht und inmitten von Weinbergen enorm hoch sein sollten und die Häuser entsprechend begehrt!

 

Ein Stimmungsbild. Es war einfach nur herrlich befreiend, durch diese wunderschöne Landschaft zu gehen, die genauso facettenreich ist wie ihr Wein, von dem wir mittlerweile großzügig kosten durften. Doch so langsam fehlt mir das Urbräu.

Ein Stimmungsbild. Es war einfach nur herrlich befreiend, durch diese wunderschöne Landschaft zu gehen, die genauso facettenreich ist wie ihr Wein, von dem wir mittlerweile großzügig kosten durften. Doch so langsam fehlt mir das Urbräu.

 

Ich muss gestehen, dass ich dann doch einigermaßen verwundert war, Pinguine nördlich des 45. Breitengrads anzutreffen. Dass diese dann auch noch Papst-treu waren, hat mich in diesem Landstrich dann auch nicht mehr sonderlich überrascht.

Ich muss gestehen, dass ich dann doch einigermaßen verwundert war, Pinguine nördlich des 45. Breitengrads anzutreffen. Dass diese dann auch noch Papst-treu waren, hat mich in diesem Landstrich auch nicht mehr sonderlich überrascht.

 

Und wo wir schon beim Getier sind: Über uns konnten wir eine ganze Eselkarawane mit Wein und anderen Köstlichkeiten sehen, die sich über unseren Anblick umgekehrt wohl ebenso gefreut hat und erst einmal störrisch eine Weiterreise verweigerte.

Und wo wir schon beim Getier sind: Über uns konnten wir eine ganze Eselkarawane mit Wein und anderen Köstlichkeiten sehen, die sich über unseren Anblick umgekehrt wohl ebenso gefreut hat und prompt störrisch eine Weiterreise verweigerte.

 

Der Scheitelpunkt unserer Wanderung heute. Selbst hier oben findet sich noch Wein, allerdings wird bei diesem in diesen Höhen schon im Spätsommer auf Eiswein gepokert. Der italienische Alpenverein hat diese Felsenhütte leider schon vor Jahren aufgegeben, doch auch hier sorgte ein freundlicher Winzer für (vorübergehendes) leibliches Wohl. An der Decke zogen langsam dunkle Stellen auf und einzig unsere Angst gedieh ganz fürchterlich.

Der Scheitelpunkt unserer Wanderung heute. Selbst hier oben findet sich noch Wein, allerdings wird  in diesen Höhen schon im Spätsommer auf Eiswein gepokert. Der italienische Alpenverein hat diese Felsenhütte leider schon vor Jahren aufgegeben, doch auch hier sorgte ein freundlicher Winzer für (vorübergehendes) leibliches Wohl. An der Decke zogen langsam dunkle Stellen auf und einzig unsere Angst gedieh ganz fürchterlich.

 

Ich liebe diese wilden Bäche mit ihren zahlreichen kleinen Wasserfällen. Das ist Natur! Das ist Leben! Und sie barfuß zu durchschreiten ist leider einfach nur kalt.

Ich liebe diese wilden Bäche mit ihren zahlreichen kleinen Wasserfällen. Das ist Natur! Das ist Leben! Und sie barfuß zu durchschreiten ist leider einfach nur kalt.

 

Immer wieder stößt man inmitten dieser Felsenlandschaft auf verstreute Halbfamilienhäuser wie dieses. Was der Herr, welcher außer heute wohl bevorzugt weiß trägt, da gerade tat, konnten wir nicht erkennen. Leider - zumal es recht agitiert schien.

Immer wieder stößt man inmitten dieser Felsenlandschaft auf verstreute Halbfamilienhäuser wie dieses. Was der Herr, welcher außer heute wohl bevorzugt weiß trägt, da gerade tat, konnten wir nicht erkennen. Leider – zumal es recht agitiert schien.

 

Unser Abendessen haben wir in diesem kleinen und rustikalen Ristorante eingenommen. Der Blick war leider nicht so schön – dafür der Wirt (welcher seine Küche überhaupt nur auf eindringliches Drängen aufsuchte) umso lustiger. Allerdings hat es bei uns nach zahllosen Weinproben auch nicht mehr vieler Auslöser für Gelächter bedurft.

Unser Abendessen haben wir in diesem kleinen und rustikalen Ristorante eingenommen. Der Blick war leider nicht so schön – dafür der Wirt (welcher seine Küche überhaupt nur auf eindringliches Drängen aufsuchte) umso lustiger. Allerdings hat es bei uns nach zahllosen Weinproben auch nicht mehr vieler Auslöser für Gelächter bedurft. SOCKEN – HAHAHAHAHAHA!!!!! Sehr yelpsterenswert!

 

Auf dem Weg zu unserem heutigen Ziel, dem Städtchen Rocco Imperiale, stießen wir auf diese ebenfalls unterhaltsame Szene. Der Anwohner dachte offenbar, wenn hinter seinem Grundstück schon eine derart mächtige Mauer steht, kann er selbst zum Schutz vor gelegentlichen Ausrutschern im Serpentinenstraßenverkehr auch vor seinem Garten eine solche errichten. Der Bürgermeister des Dorfs war offenbar weniger davon begeistert und wollte das vorher hier stehende Warnschild mit Pfeil wieder aufstellen. Die Frau des Anwohners hat zuvor anscheinend auch die häusliche Kuh gewaschen und zum Trocknen aufgehängt. Möglicherweise könnte es sich aber auch um die Überreste eines Straßenschildes handeln...

Auf dem Weg zu unserem heutigen Ziel, dem Städtchen Rocco Imperiale, stießen wir auf diese ebenfalls unterhaltsame Szene. Der Anwohner dachte offenbar, wenn hinter seinem Grundstück schon eine derart mächtige Mauer steht, kann er selbst zum Schutz vor gelegentlichen Ausrutschern im Serpentinenstraßenverkehr auch vor seinem Garten eine solche errichten. Der Bürgermeister des Dorfs war offenbar weniger davon begeistert und wollte das vorher hier stehende Warnschild mit Pfeil wieder aufstellen. Die Frau des Anwohners hat zuvor anscheinend auch die häusliche Kuh gewaschen und zum Trocknen aufgehängt.

 

Je näher wir Rocco Imperiale kamen, desto absurder wurden die Anblicke, welche sich uns boten. Ob der Junge mit der einzelnen Socke hier wohl hinter dem Vogel oder noch anderen Kleidungsstücken her war? Meine Erfahrung mit Mittelstufenschülern sagt: mittelbar beidem.

Je näher wir Rocco Imperiale kamen, desto absurder wurden die Anblicke, welche sich uns boten. Ob der Junge mit der einzelnen Socke hier wohl hinter dem Vogel oder noch anderen Kleidungsstücken her war? Meine Erfahrung mit Mittelstufenschülern sagt: mittelbar beidem.

 

Ein kleines Stück weiter posierte dieser Herr in silbergrau vor dem grauen Wagen seiner pinken Frau. Mittlerweile haben wir gelernt: Das ist der richtige Bürgermeister. Der Herr von zwei Bilder weiter oben war wohl doch nur der neidische Nachbar des Anwohners. Mein Italienisch ist möglicherweise doch ein wenig eingerostet.

Ein kleines Stück weiter posierte dieser Herr in silbergrau vor dem grauen Wagen seiner pinken Frau. Mittlerweile haben wir gelernt: Das ist der richtige Bürgermeister. Der Herr von zwei Bilder weiter oben war wohl doch nur der neidische Nachbar des Anwohners. Mein Italienisch ist möglicherweise doch ein wenig eingerostet.

 

Zu diesem Bild sage ich nur noch eines: Ohne Worte.

Zu diesem Bild sage ich nur noch eines: Ohne Worte.

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