Eine Bahnfahrt durch die Gedanken von Dag Adomeit

Das Reisen mit der Bahn kann regional sehr unterschiedlich sein. Was verbindest Du mit Bahnfahren in Italien?

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass meine letzte Bahnfahrt in Italien schon eine Weile zurückliegt. Besonders in Erinnerung sind mir aber die wundervollen Trassen entlang der Küste geblieben. Quasi einmal um den Stiefel und jeweils zur einen Seite das Meer und zur anderen wundervollen Landschaften, Gebirge und pittoreske Dörfer und Städte. Ein anderes Thema ist das quirlige und hektische Treiben an den Bahnhöfen. Manch einer mag es als leicht chaotisch beschreiben, für mich ist es aber Ausdruck von Lebensfreude und mediterraner Gelassenheit.

Das im Modell darzustellen klingt gar nicht so einfach – habt ihr schon Ansätze wie sich das widerspiegeln wird?

Das wird in der Tat gar nicht so einfach. Klar haben wir bei den Trassen schon genau darauf geachtet, dass sie häufig als Schneise zwischen Meer und Landesinneren dienen. Aber für mich persönlich ist eigentlich das, was auf den Gleisen passiert am entscheidendsten. Wenn man Italien mit unserem deutschen Abschnitt vergleicht, werden die Unterschiede schon allein von der Vielfalt der Triebfahrzeuge sichtbar sein. Hierzulande ist man ja einen relativ einheitlichen und sauberen DB-Look gewöhnt. In Italien wird die Spanne viel größer. Von der veralteten, angerosteten Lok bis hin zum supermodernen „Italo“ wird alles vertreten sein. Sprich, die Gegensätze werden viel größer. Aber wie das jetzt auf jeder einzelnen Trasse konkret aussehen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch schwer zu sagen.

Das heißt momentan seid ihr noch ziemlich am Anfang – was passiert eigentlich genau bis zur Eröffnung?

Was heißt am Anfang? Wir beschäftigen uns schon seit geraumer Zeit mit Italien und haben schon die ersten Züge bestellt. Trotzdem steht der Großteil der Planung und Arbeit noch vor uns. Momentan sind wir gerade dabei das ganze Rollmaterial zu organisieren, was eigentlich die schwerste Aufgabe ist. Gerade in Italien gibt es ganz viele Kleinserienhersteller. All diese zu finden, mit denen Kontakt aufzubauen und dann auch noch das Glück zu haben, dass der gewünschte Zug vorhanden ist, ist ziemlich langwierig. Bis wir alle Züge zusammen haben, werden bestimmt noch 18 Monate vergehen. Die Aufgaben die danach kommen, wie das Altern oder das Umbauen der Züge ist dagegen schon fast Routine.

Und wie ist der jetzige Planungsstand? Weiß Du schon wie viele Züge es genau geben wird?

Wir haben schon erste Kontakte nach Italien geknüpft. Da waren Spielwarenmessen sehr hilfreich. Zudem haben wir von Gerhard gerade in der letzten Woche die fertigen Planungsdaten zum Schienennetz bekommen. Insgesamt wird es 10 Trassen mit einer Länge von 2155 Metern geben. Dazu 38 sichtbare Bahnhofsgleise und 19 Schattenbahnhöfe. Basierend auf den Daten planen wir momentan mit 151 Zügen nur in Italien. Diese sinnvoll auszutauschen wird die Arbeit der nächsten Monate.

Hast Du unter den Zügen einen oder mehrere auf die Du Dich besonders freust?

Mir fallen da spontan drei verschiedene Zugtypen ein. Zum einen reizen mich die Güterzüge, die viel eckiger und kantiger als die deutschen daherkommen und die ich persönlich sehr mit Italien verbinde. Dann der absolute Gegensatz, der neue private Schnellzug „Italo“ von NTV von dem wir überhaupt noch nach einem Modell suchen, und zu guter Letzt wünscht sich der Nostalgiker in mir noch den TUI Ferienexpress, der von Ende der 70er an hunderttausende Deutsche in den Italienurlaub brachte.

Mal ganz unabhängig vom Rollmaterial – gibt es auch Herausforderung technischer Natur?

Nicht nur eine. Mir fällt spontan zum Beispiel unsere Hochgeschwindigkeitsstrecke ein. Im Original brettern die Züge dort mit 360km/h entlang, was auch in unserem Maßstab immer noch verdammt schnell ist. Dafür müssen wir die Motoren überarbeiten und vor allem zuverlässig für den Dauerbetrieb bekommen. Eine andere Herausforderung werden die verschiedenen Stromsysteme sein. Wir haben zumindest vor, die beiden Standardsysteme, aber auch die in Italien einmalige 3 Phasen-Oberleitung nachzubauen. Aber im Laufe des Baues, und sobald wir mit den ersten Tests beginnen, werden bestimmt noch etliche weitere hinzukommen.

Und zu guter Letzt – gibt es Spielereien, die ihr unbedingt in Italien bauen wollt?

Was wäre das Wunderland ohne Spielereien? Ob wir es am Ende wirklich bauen werden, weiß ich noch nicht, aber wir träumen zum Beispiel von einem automatischen Loktauschmanöver in unserem Sackbahnhof in Rom. Eine andere Spielerei, die mittlerweile schon ziemlich konkret ist, ist der Funkenflug an den Pantographen. Das hoffen wir in Italien das erste Mal großflächig einzusetzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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