Interview mit Gerhard Dauscher – Modellbausenator von Mini-Italia

Wie ist die Idee entstanden?  Die Idee ist schon vor etlichen Jahren entstanden. Genau genommen nach der Eröffnung von Skandinavien im Jahr 2005 stand für uns fest, dass wir uns nicht nur gen Norden, sondern natürlich auch in den Süden in Richtung Mittelmeer ausweiten wollten. Für Italien speziell haben wir uns entschieden, da uns die Mixtur aus einmaliger Vegetation, historischen Bauten und wuseligem Leben besonders gefiel. Zudem hatten viele von uns schöne Urlaubserinnerungen, die wir im Modell überdauern lassen wollen.

Gerhard Dauscher tüftelt an den Italienplänen

Gerhard Dauscher tüftelt an den Italienplänen

Es wurde länger darüber diskutiert, ob erst Italien oder erst Frankreich gebaut werden sollte. Wieso erst Italien?  Ich muss diejenigen enttäuschen, die jetzt eine persönliche Vorliebe erwarten. Den Ausschlag am Ende hat die reine Logik ergeben. Der Schweiz-Abschnitt mündet im 3. Stock im Tessin. Da war es einfach am logischsten mit Italien weiterzumachen. Und dann nach der Fertigstellung Italiens, Frankreich mit der Côte d’Azur als Bindeglied folgen zu lassen.

Und wann hast Du konkret mit der Planung des Abschnitts begonnen?  Ziemlich genau vor zwei Jahren. Die ersten Monate bestanden vor allem aus Recherche. Ich habe extrem viel über Italien gelesen und gesehen und bin anschließend als Tourist durch Italien gereist. Anfangs bestand die größte Herausforderung darin, all die Bilder und Eindrücke halbwegs sinnvoll zu sortieren und in den Gleisplan zu übertragen. Damit habe ich vor rund 18 Monaten begonnen und daran etliche Monate gebrütet. Die Fragen nach dem was man baut, was nicht, wie man es schafft alles geografisch stimmig miteinander zu verbinden, und wie man gleichermaßen den Blick eines deutschen Touristen und den eines echten Italieners befriedigt, waren in der Zeit meine ständigen Begleiter.

Im Laufe der Planung hat sich der Abschnitt von 90 auf 150 qm vergrößert. Wie kam es dazu? Wir haben festgestellt, dass wir mit den 90 geplanten Quadratmetern nur Platz an der Wand entlang haben, quasi wie eine lange Schnur, die am Ende aufgereiht nur für Rom, Venedig, die Amalfiküste und den Vesuv genügt. Der Schlüssel zur Erweiterung war der Wunsch für Rom einen Platz zu haben, um welchen die Gäste herumgehen können, um so in alle Gassen zu schauen und die ganzen baulichen Meisterwerke aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Das hat dazu geführt, dass wir einen zweiten Raum benötigten. Zudem wollten wir im Hinblick auf Frankreich einen sinnvollen Übergang schaffen und haben uns entschlossen Ligurien und das Cinque Terre zu bauen. Dafür brauchten wir schlichtweg mehr Platz.

1 Qaudratmeter ist fertig. 149 folgen bis Ende 2015.

1 Qaudratmeter ist fertig. 149 folgen bis Ende 2015.

Rückblickend auf die letzen beiden Jahre der Planung. Was war bisher die größte Herausforderung? Ganz klar. Das Verkleinern und Kürzen. Auf 150 Quadratmeter komprimiert so viele Seiten Italiens zu zeigen und trotzdem alles halbwegs sinnvoll und nicht zu überladen zu halten, hat mich zeitweise an den Rand der Verzweiflung getrieben.

Seit der ersten Idee sind zwei Jahre vergangen. Wo stehen wir jetzt? Jetzt sind wir dabei, dass die Pläne langsam dreidimensionale Formen annehmen. Die Tische sind fertig aufgebaut und momentan kümmern wir uns primär um die Holz- und Spantenkonstruktion.

Und wie geht es weiter? Viel Arbeit wird in den nächsten Monaten weiter in den Holz- und Gleisbau fließen. Parallel wird in den Werkstätten an den ersten Gebäuden gebaut. Vor allem testen wir gerade an Ruinen. Das macht echt Spaß an verwitterten und verfallen Dingen zu arbeiten. Sachen künstlich altern und verfallen zu lassen ist gar nicht so einfach. Für mich persönlich ist der Reiz durch Patina etwas Vergangenes in einem Gebäude lebendig zu machen viel größer als kontemporäre Architektur nachzubauen.

Wir tun uns im Wunderland ja immer ein wenig schwer mit Prognosen. Es dauert halt so lange, wie es dauert. Aber traust Du Dir schon eine vage Prognose abzugeben, wann die Besucher ein fertiges Italien bestaunen können? Hmmhh – ich sag mal ganz optimistisch November 2015.

Und gibt es auf dem Weg dorthin noch Dinge vor denen Du richtig Respekt hast? Was  mir wirklich Sorgen bereitet ist die Felsgestaltung. Die Felsen müssen farbenprächtig und intensiv wirken, am besten so, als ob es gerade Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang wäre. Zudem soll man die Hitze richtig spüren. Dafür die richtigen Farben zu wählen wird auf jeden Fall noch viele Experimente und Tüftelei erfordern.

Und abschließend, worauf können sich unsere Besucher am meisten freuen? Die Gebäude. Noch nie zuvor haben wir so viele Gebäude aufwendig von Hand gefertigt. Wir planen momentan rund 500 Bauten von Fundament bis Dach selbst in unseren Werkstätten nachzubauen. Das wird modellbauerisch die Latte noch einmal höher legen.

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