Es brodelt: Videoprojektion Vesuv

Ein Highlight im neuen Italien-Abschnitt wird ganz sicher der Vesuv werden. Der Vesuv ist ein aktiver Vulkan, etwa 9 km von der Stadt Neapel entfernt. Im realen Leben befindet sich der Vulkan seit 1944 in einer Ruhephase und ist seitdem nicht mehr ausgebrochen. Bei uns auf der Anlage wird er aus dieser Ruhephase wieder erwachen und gleich mehrmals pro Tag ausbrechen. Der Bau des Berges selbst stellt für unsere Modellbauer keine große Herausforderung dar, einzig die Lava-Problematik bereitet uns Kopfzerbrechen (wie auch schon in GTB Vol. 42 berichtet). Techniker Sven Hinzmann klärt uns über den Stand der Dinge auf.

 

Hallo Sven, wenn du an den Vesuv bei uns in der Anlage denkst, welche Bilder hast du da vor Augen?

Ich sehe einen ausbrechenden Vulkan mit allem, was dazu gehört: Geräusche, Rauch, Auswurf des Vulkans und die typischen Lavaströme, die den Hang hinabströmen.

Hubert_Sattler_Vulkanausbruch_am_Vesuv_Wikimedia

Der Künstler Hubert Sattler verewigte den Ausbruch von 1872 in seiner Malerei (1882) (Quelle: Wikipedia/Sattler).

 

Das hört sich im ersten Moment gar nicht so aufwendig an. Wie kompliziert ist die Umsetzung denn tatsächlich?

Geräusche wiederzugeben und Rauch zu erzeugen ist das kleinste Problem für uns, denn diese Techniken setzen wir schon an einigen Stellen auf der Anlage, wie zum Beispiel im Flughafen-Abschnitt, ein. Aber wie stellt man den Auswurf und die Lavaströme eines Vulkans nach, ohne dabei die Gäste, Mitarbeiter oder die Anlage selbst zu gefährden? Echte Lava scheidet damit schon mal aus, denn Temperaturen von 800°C bis 1200°C zu erzeugen ist der Umwelt nicht wirklich zuträglich und auch die Gefahr, dass sich das Material unkontrolliert verteilt ist durchaus gegeben. Dementsprechend müssen wir uns andere Lösungen einfallen lassen, die nach und nach getestet werden.

 

Welche Lösungsansätze habt ihr denn schon erarbeitet?

Eine der ersten Lösungen ist es, mit so genanntem Kinetic Sand die Lava nachzubilden. Da allerdings dieser Sand nur mäßige Fließeigenschaften hat, wurde eine Mechanik gebaut, die zum einen diesen Sand von unten nach oben fördern kann und zum anderen zum fließen bringt. Das funktioniert allerdings nur mit einer Fläche, die in Schwingungen versetzt wird, was im Dauereinsatz vielleicht noch zu Problemen führen kann.
Bei den Tests mit dieser Mechanik sah man dann aber auch das nächste Problem. Lava leuchtet rot-orange und sieht nicht unbedingt wie Sand aus. Die erste Überlegung war dann, den Sand von unten mit LEDs zu beleuchten. Dadurch ergaben sich allerdings weitere Probleme, denn die Sandschicht darf nicht zu dick sein, damit die Beleuchtung noch durch den Sand hindurch schimmern kann. Dieses ist aber fast nicht zu realisieren. Also mussten weitere Überlegungen angestellt werden, wie man die Beleuchtung löst.
Bei den Überlegungen kamen wir dann darauf, dass man den Sand mit einer Leuchte mit der dementsprechenden Farbe beleuchten könnte. Allerdings muss diese Leuchte die Lava verfolgen und auch mal dunklere Stellen im Lavastrom abbilden. So wie man es halt aus dem Fernsehen kennt, wenn Lavaströme sich von einem Vulkan ergießen. Daraus entstand die Idee, mit einem Videoprojektor die Fläche zu beleuchten und an den Stellen, wo sich Lavaströme bilden, mit unterschiedlichen Videoclips das Ganze nachzubilden.

 

Und wie schafft man es, dass das Resultat auch tatsächlich wie fließende Lava aussieht und nicht wie ein Videofilm, welcher an eine glatte Wand projiziert wird?

Da muss man sich unterschiedlicher Techniken bedienen. Als erstes müssen Videoclips erstellt werden, die Lavaströme nachbilden. Diese Clips werden dann in ein Rechnersystem geladen (Foto 1), was die Form, die Farben, Seitenränder und auch die Abspielgeschwindigkeit anpassen kann.

Rechnersystem zur Bearbeitung der Videosequenzen, zum Beispiel Größe, Geschwindigkeit, Farbe und Form.

Rechnersystem zur Bearbeitung der Videosequenzen zum Beispiel Größe, Geschwindigkeit, Farbe und Form.

Zusätzlich kann die dreidimensionale Struktur der Projektionsfläche in das System eingegeben werden, um damit das Video auf den Untergrund anzupassen. Hier stellen sich aber auch mir einige Fragen. Wie kann man Lavaströme künstlich nachbilden, ohne dass es künstlich wirkt? Kann man reale Filme vielleicht so anpassen, dass wir sie einsetzen können?

Objekt (Glasreiniger Flasche) mit einem Videobeamer in Weiß beleuchtet.

Objekt (Glasreiniger Flasche) mit einem Videobeamer in Weiß beleuchtet.

Objekt durch Videobeamer mit einem Lava Video angestrahlt. Man sieht dort, dass sich das Video nicht auf das Objekt begrenzt, sondern alles ausleuchtet.

Objekt durch Videobeamer mit einem Lava Video angestrahlt. Man sieht dort, dass sich das Video nicht auf das Objekt begrenzt, sondern alles ausleuchtet.

Objekt mit angepasster Projektion des Lava Videos.

Objekt mit angepasster Projektion des Lava Videos.

 

Und was wären theoretisch die nächsten Schritte?

Als nächstes muss man sich für ein Rechnersystem entscheiden, welches die oben genannten Funktionen zur Verfügung stellt, um das Video in Echtzeit anpassen zu können und welches auch noch von außen Signale empfangen oder senden kann. Dann muss man noch einen leistungsstarken und zuverlässigen Videoprojektor finden, der nicht zu groß ist, da wir im Bereich des Vesuvs nicht so viel Platz haben. Wenn am Ende die einzelnen Komponenten dann funktionieren, wird ein Ablauf programmiert, wo alles aufeinander abgestimmt wird, also Geräusche, Rauch etc., um so am Ende einen realen Vulkan zu simulieren.

 

Danke für das Interview, Sven. Wir sind sehr auf das Ergebnis gespannt!

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