Joachim Jürs über die Verwirrungen und Entwirrungen der italienischen Bahnsignale

Nachdem ich mit Euch vor einigen Monaten bereits über Gleispläne, Oberleitungen und weitere Italienprojekte aus der Bahntechnik gesprochen habe, werde ich heute etwas über den aktuellen Stand unserer Bahnsignale zum Besten geben.

Ausschnitt Signalplan Roma

Ausschnitt Signalplan Rom

Gerhard Dauscher hat aus Sicht des Modellbaus den Signalplan fertig gestellt. Hier ein Ausschnitt ->

Generell hören sich Signale recht unspektakulär und simpel an. Ein paar bunte Lichter ähnlich wie bei einer Ampel, die dem Zugführer die Info geben, wann er wo und wie fahren darf. Wenn es denn nur so einfach wäre…

Die erste Herausforderung, vor der wir stehen, sind per se die italienischen Bahnsignale. Diese unterscheiden sich nämlich grundlegend von deutschen Bahnsignalen. Ein Beispiel: In Deutschland steht ein grün-gelbes Lichtsignal für „langsam fahren“. Hierfür gibt es in Italien das – für einen Deutschen völlig unverständliche – Signal grün-rot. Auch gibt es in Italien einzelne Lampen an den Signalen, die in unterschiedlichen Farben leuchten. In Deutschland gibt es meist eine rote, gelbe oder grüne Lampe. Auch unterscheiden sich die italienischen Bahnsignale in den jeweiligen Distrikten. Somit ist es erst einmal unsere Aufgabe, die vielen Signale zu dokumentieren und für unsere Anlage zu vereinheitlichen.

Italienische Signale

Italienische Signale


Wenn wir so weit sind, müssen wir, wie in unseren anderen Abschnitten auch, die Steuerung der Signale über unsere Rechner ermöglichen. Die Information vom Rechner, welches Signal gegeben werden soll, wird über einen Decoder für das Signal entschlüsselt.
Decoder

Decoder


Der Decoder ist im Bild zu sehen ->

Für jedes Signal ist ein Bitmuster mit Kombinationen aus den Zahlen 0 und 1 im Rechner festgelegt. Pro Decoder können über 8 Adressen maximal 4 Signale eingerichtet werden. Dies können einfache Signale, wie eine grüne Lampe, sein oder recht komplexe, wie mehrere Lichter mit unterschiedlichen Farbkombinationen, blinkende Lampen oder Farbwechsel. Da die italienischen Signale zum großen Teil komplexer sind als die deutschen und somit mehr Zugänge pro Signal benötigt werden, rechnen wir im Schnitt mit 3 Signalen pro Decoder. Grob geschätzt werden im Italien-Abschnitt 120 Signale platziert, welche entsprechend auf 60-70 Decoder verteilt werden. Wie Ihr seht, gibt es allein im Softwarebereich viel zu tun.

Aber auch die Hardware muss angepasst werden. Anbieter für italienische Signale zu finden, ist nicht ganz einfach. Natürlich kämpfen wir zum einen mit dem Sprachproblem, da wir nur von italienischen Anbietern beziehen können. Das ist aber eher das kleinere Problem. Bei deutschen Signalen haben wir es mit einer standardmäßigen Spannung zu tun. Diese ist eine andere, als bei italienischen Signalen. Somit kann es z.B. passieren, dass die Lampen zu hell leuchten und das Signal nicht naturgetreu aussieht. Für uns bedeutet dies, dass wir den Widerstand im Signal anpassen müssen.

Eine weitere Aufgabe liegt darin, dass wir zwischen Decoder und Signal eine Übergabeplatine einbauen. Der Einbau ist einerseits recht aufwendig. Allerdings erleichtert es uns den Austausch des Signals, wenn dieses defekt ist.

Soviel zu unseren Signalen. Was sich anfangs recht simpel anhört, beschert uns derzeit etwa 2 Monate Arbeit. Der Aufwand wird sich lohnen und Ihr werdet eine originalgetreue Signalschaltung im Italien-Abschnitt erleben. Und wehe uns fragt jemand: „Warum ist das Signal denn rot und grün? Da weiß der Zugführer doch gar nicht, ob er jetzt fahren oder halten soll!“

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